Freitag, 15. Dezember 2017

Ex-Gefangene dringend gesucht ! Gegen "linke"Antiknasttage??

  





 
Die Situation, die in dem Gespräch angesprochen wird, ist nicht neu. Spätestens seit dem die RAF ihre ersten Gefangenen hatte, ergab sich aufgrund der von ihr forcierten Trennung in Kriegsgefangene und gewöhnliche Gefangene eine Richtung, die nicht mehr das Gefängnis generell in Frage stellte; es wären halt nur teilweise die Falschen drin – damit entwickelte sich ein Bewusstseinswandel, dessen Ergebnis ( „politische Gefangene versus kriminielle“) eigentlich bis heute andauert.



Wenn im Gespräch über „die Linke“ geredet wird, ist dies sehr allgemein, meint aber in Bezug der Knastarbeit bzw. Antiknastarbeit, eine in sozialer und kultureller Hinsicht privilegierten Gruppe und Individuen, die sich dadurch von den anderen Gefangenen und Aktivistis abgrenzen und die Themen bestimmen …. auch wenn es in Teilen von ihnen Absichtserklärungen geben mag („eigentlich sind wir alle politische Gefangene“) verschärft sich die Kluft immer mehr:

das praktische Wissen, dass sich viele der nicht-Akademisierten durch ihre alltäglichen Erfahrungen in Stadtteil, Fabrik und hier im Knast angeeignet hatten, ist nix wert bei den vielen so genannten „Experten und Expertinnen“ die weiterhin und verstärkt die noch verbliebenen Räume besetzen mit dem Ausweis des „Besserwissens“.. 

geadelt durch die Lektüre und dem Verstehen entsprechender Literatur und dem Orden des politischen Aktivisten – konkret: die selben Handlungen wie bei einem „normalen Gefangenen“ sind halt nicht dieselben bei den Aktivistis, dienen diese doch bei letzteren einem „höheren Ziel“ egal wie hoch und konkret das jeweils auch sein mag und dient damit vor allem als Rechtfertigung gegenüber der (Straf-) Gesellschaft und  zur Abgrenzung gegenüber den anderen Gefangenen…

 und die in letzter Zeit getroffene Formulierung die „normalen Gefangenen“ als „Gefangene des Kapitalismus“ zu sehen, wirft eher neue Fragen auf, statt verbindende Antworten geben zu können … gegen was kämpfen hierzulande eigentlich die „Politischen“? Sind sie nicht auch „Gefangene des Kapitalismus“?








Was bleibt? Die vorhandene Alternative der Selbstorganisation von Gefangenen bzw. Ex-gefangenen ist keine wirkliche. Die „Gefangenengewerkschaft“, deren Aussenvertreter sich mit autoritären knastbejahenden Gruppierungen und Parteien treffen, die wiederum mit Justizminister*innen „Kaffee trinken,“orientiert sich an der herrschenden Arbeitsideologie und beklagt allenfalls „schlechte Arbeitsbedingungen“ in den Knästen, deren Vorhandensein sie in der politischen Wirklichkeit als grundlegende Säule einer kapitalistischen herrschaftlichen repressiven Gesellschaft akzeptiert.



Was ist möglich? Es wird weiter unten von einer „Organisierung von den Ex-Gefangenen bzw. den Angehörigen der Gefangenen gesprochen. Es gab Mitte und Ende der 70er so was wie „Häftlingskollektive“ (eine Gruppe von Gefangenen und Ex-gefangenen gleichzeitig), es gab den „Gefangenerat“ --- bis halt, siehe oben im ersten Abschnitt..



Vielleicht gelingt dieses oder ähnliches in einzelnen Städten, hin und wieder in den Knästen, ohne von den auf „sozialen Frieden“ Bedachten eingenommen oder von der durch Anspruch auf Führerschaft eigentlich sie verachtenden „politischen“ auseinandergenommen oder benutzt zu werden…. um damit auch zu einem neuen Selbstbewusstsein zu kommen, einem Selbstbewusstsein, das künftige Antiknasttage nicht ablehnt oder vermeidet, sondern wirklich nachhaltige Ideen dort hineinbringen kann..denn von aussen wer auch immer ist nichts zu erwarten ....


W. aboli@riseup.net


Zu der angesprochenen Situation in den USA siehe hier:

https://radiochiflada.blogspot.de/2016/07/wir-brauchen-eine-knastkritische.html




+

 Studiogespräch zweier AntiKnastaktiven 


 


A: Die Antiknasttage gibt es seit hierzulande seit einigen Jahren? Was ist eigentlich der Anlass?

Z: Es gibt in unterschiedlichen Städten knastkritische Gruppen und Individuen, die sich aber meistens nur per Internet kennen , per Emails und die Idee der Knasttage ist es, wenigstens einmal im Jahr einen persönlichen Austausch zwischen den Gruppen und Einzelleuten zu ermöglichen. Dabei ist immer die Hoffnung dabei, das in den Städten, in denen diese Tage stattfinden, Leute dazukommen, die vielleicht noch nicht so engagiert sind im Kampf gegen die Knäste, sich informieren wollen, zuhören, aber auch mit diskutieren und sich einbringen..!


A: Welche Hoffnung und Erwartungen hast du mit den Antiknasttagen?

Z: Ich habe eigentlich die Erwartung, dass die Leute, die teilnehmen, unsere Positionen näher bringen können, denn das muss ich auch sagen, die Antiknasttage sind ja ne Mischung, also die Leute sind nicht einheitlich drauf. Was uns alle eint, ist die Losung: Knast ist keine Lösung! So als Forderung und fernes, noch abstraktes Ziel wollen wir alle eine Gesellschaft ohne Knäste. 

Wie wir dahin kommen, ob wir uns dabei auf Teilschritte einlassen, welchen Weg wir dahin gehen, das ist durchaus unterschiedlich unter den Beteiligten.







A: Nun waren wir beide dieses Jahr in Berlin. Wie ist dein Resümee, dein Empfinden nach diesem Wochenende…?


Z: Erst einmal war ich mal wieder überrascht. In Berlin waren zeitweise 150 Leute da, die Hütte ( Räume de SFE- Schule für Erwachsenenbildung, der Sätzer) war proper voll… so viele Interessierte bei so einem schwierigen ja unpopulären Thema hat mich überrascht...Andererseits war es ein ziemlich eng gedrängtes Programm, jede Stunde war ein anderer Workshop, ein anderes Thema angesetzt, was schon fast zu viel war. Ich persönlich war überfordert, um an allen Workshops wirklich teilnehmen zu können, andererseits, dieses Bündnis dieses Jahr sind Leute, die weitgehend zur „linken Szene“ gehören. Es sind ganz wenige Ex-Gefangene da gewesen, Angehörige, glaube ich, nur zwei, was m.E. auch ein Manko dieser Antiknasttage ist. Ich habe mit einer Aktivistin geredet, in den USA sieht es ganz anders aus. Bei solchen Treffen sind jede Menge Ex-Gefangene und Angehörige da sind und die ganz andere Schwerpunkte setzen. 







A: Mein Eindruck war ähnlich. Ich habe die Ex-Gefangenen vermisst.

 Ich glaube, erkennbar waren wir zu dritt, wobei Andre ja gerade erst entlassen ist, dann wir beide mit den bestimmten jeweiligen Erfahrungen
 Ich war in einem Bezirk/Stadtteil, wo Leute sich mit allen möglichen Themen beschäftigen, aber konkret zum Thema Knast auch in Hinblick auf die Gefangenen eine sehr allgemeine Meinung hatten. 
Immer wurde hörte ich raus, exemplarisch beim Eingangsreferat dass Gefängnisse nur ein Teil einer Repression ist und das die Knäste erst dann erst abgeschafft werden kann, wenn irgendwelche großen revolutionären Ziele erfüllt werden 

(wann immer auch danach dieses geschehen könnte, die Geschichte der Revolutionen spricht dagegen, der Sätzer). 

Ich kam mir dann etwas verloren vor, ja regelrecht fehl am Platze. Ich merkte auch beim Andre, dass er immer wieder flüchten wollte

Ich habe dich erlebt, der auch nicht warm wurde an und mit diesen Orten. Eigentlich warst du ja da, um deinen Workshop durchzuziehen. Wie war denn die Erfahrung dort?

Z: Ich habe einen Workshop gemacht, wo es um die Frage ging: lassen wir uns bei dem Ziel „Gesellschaft ohne Knäste“ auch auf kleine Teilschritte ein. Es wurde am Beispiel der Gefangenengewerkschaft diskutiert. Macht die überhaupt Sinn? Können wir uns Teilschritte vorstellen oder sollten wir warten, bis das ganze System so repressiv geworden ist, das wir nix mehr verbessern können, sondern nur noch warten, bis wir das System überwunden haben. 


Ich sagte da, ich kann mir auch hier und heute schon , Schritte und Verbesserungen vorstellen,die müssten halt in die richtige Richtung gehen, d.h. Abschaffung der Knäste. Wir sind natürlich nicht in der Position, jetzt alle Knäste abzuschaffen, aber konkret ist es möglich.
 Es gibt Knäste, da sitze Leute wegen nicht bezahlter Geldstrafen, Schwarzfahrer und so weiter. Diese Knäste können wir sofort zumachen-- auch in diesem System.

Ein anderer Schritt: Abschaffung der Zensur. Es ist unerträglich, dass Gefangene, die wir draußen alle lesen können, diese nicht bekommen oder Zeitungen, die allgemein zugänglich sind. 


Knäste sind erst einmal Freiheitsentzug, dass Knäste immer auch Umerziehungslager sein wollen, ist absolut unerträglich. Und dies können wir auch schon hier und heute beenden. 



 

Wir haben ja im Verlauf des Gespräches beklagt, dass es so wenige Ex-gefangene und Angehörige bei den AntiKnasttagen gab. Das müsste eigentlich unser Ziel sein, dass sich mehr Ex-Gefangene und Angehörige bei solchen Veranstaltungen einmischen.


A: Wir hatten mal darüber geredet, dass – auch von dir – darüber gesprochen wurde, dass viele Ex-Gefangene nichts mehr mit dem Thema Knast zu tun haben wollen. Möglichst vergessen und nicht mehr daran erinnert werden


Z: Na ja, einerseits ist Verdrängung da aber zum anderen sind da bei AntiKnasttagen verschiedene Kulturen dar, die aufeinanderprallen. 

Die „linke Szene“ ist eher bürgerlich geprägt mit ihren Verhaltensweisen, während die meisten Gefangenen eher aus dem subproletarischen Milieu kommen; und da ist es schon schwierig, sich wohlzufühlen, in der Umgebung, beim und vom Essen, Trinken, eigentlich von allem ne andere Welt ist, wahrscheinlich würden sich die meisten dieser Linken in einer proletarischen Kneipe, wenn da ne Veranstaltung wäre, wohl auch extrem unwohl fühlen. 
Da sehe ich ein großes Problem. 





Es wäre aber auch leicht zu ändern, indem wir sagen, o.k. für den einzelnen Ex-Gefangenen und Angehörige ist es vielleicht schwierig in einen so großen Rahmen zu gehen, aber sie könnten sich ja sozusagen intern in den einzelnen Städten mal als betroffenen treffen. Das Ziel: eine Gruppe zu finden von ehemaligen Gefangenen und Angehörigen ohne erst einmal die „linke Szene“ dabei zu haben; einfach die eigenen Erfahrungen auszutauschen und die eigenen Vorstellungen zu entwickeln.

A: Was mich in diesem Zusammenhang am meisten gestört hat, war so ne Aussage wie: 
Ohne Theorie keine Praxis keine Revolution..

das mag die Sozialisation von den Leuten sein, die so was ritualmässig runter rasseln, ich habe eine andere Sozialisation: 
nämlich durch z.B die Niederschlagung von (Gefängnis-)Aufständen, also meine Bildung läuft eher über diese Schiene..

und da denk ich ist ein großer Graben.


Dein Vorschlag an die Ex-gefangenen zu appellieren, und Angehörige mit einzubeziehen, erscheint mir momentan noch ein bisschen schwierig in der alltäglichen Praxis, wo es nur geringe Kontakte gibt oder nur einzelne Leute bereit sind, dann auch nachher weiter zu machen.



Wie stellst du dir das vor?



Z: In dem Leute Kontakt zu uns aufnehmen, wir sind ja nicht so szenetypisch, bei uns am Laden vorbeikommen (in Köln) oder uns schreiben… Autonomes Knastprojekt Elsaßstr. 34 50677 Köln oder Email: autonomes-knastprojekt@riseup.net






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