Freitag, 10. Februar 2017

Gefangenengewerkschaft auch Schliessergewerkschaft? Von negativen und anderen Reformen...


Alle Gefängnisreformen bzw. Reformer sind insofern Agenten des herrschenden Systems, weil es darum geht, Gefängnisse als lebensfähige Anstalt funktionsfähig zu machen, die Risse in der totalen Institution wieder zu zu decken. Das System wird dadurch gefestigt, die Gefängnisfassaden werden poliert und die kritische Öffentlichkeit beruhigt.


Für die aktiven, rebellischen Gefangenen ist es jeden Tag ein Balanceakt, ihre Kämpfe so zu führen, daß dies eben nicht geschieht, das Gefängnis und das Gefängnissystem eben nicht gefestigt wird… Rechte,wie  unzensierte Post zu schreiben und zu erhalten, alle möglichen Zeitschriften zu empfangen usw. mehr Hofgang, mehr Gruppentreffen….führt dies eher zu einer Stärkung der Gefängnisbürokratie, zur Ausweitung und Stabilisierung des Knastes ? oder fordert es das Gefängnis heraus, stellt Selbstverständlichkeiten in Frage und zielt in Richtung ihrer Abschaffung







Mehr Expert*innen, Therapeutische Gruppengemeinschaften und vor allem mehr Gefängnispersonal mit vielleicht auch mehr Geld zählen zu den Massnahmen, die unter dem Vorwand, den Gefangenen das Leben leichter zu machen, das Gefängnissystem noch mehr stabilisiert und ihr Selbstverständnis noch stärker dokumentiert. Dem Kraken wachsen neue Arme, an denen andere, neue mit verdienen können … Wissenschaftler*innen, Architekten drängen sich mit ausgestreckten Armen und Händen an das lukrative Geschäft, von denen die Wirtschaftskonzerne schon profitieren… machen letztere Vermögen, päppeln andere ihr Image auf, so auch die Parteien der „Grünen“ und der Linkspartei, die aktuell den Personalstand der Schliesser beklagen und mehr und besseres Personal fordern… und die Initiative der“Gefangenengewerkschaft GG/BO“ scheint sie dabei zu unterstützen, können doch sonst nicht die ganzen Reformprogramme ( angeblich )durchgeführt werden ...


die „GG/BO“ die vor wenigen Monaten noch die Übernahme der Gefängnisdruckerei in Berlin durch die Gefangenen gefordert hatte?



Gefangene in den Todestrakten fordern mehr Henker, weil sonst ihre Hinrichtung nicht vollzogen werden kann?






In der Intention der „GG/BO“ einen Teil der Gefangenen zu organisieren und ihnen selbstbewusst und selbstbestimmt einen Teil ihrer Rechte zu erkämpfen, sind sie wohl in der permanenten Hinẃendung an die Sachverwalter des Systems nun selber Teil dieses Knastbejahenden und verstärkenden Systems geworden… 





 



Sinnvolle Reformen schränken die Entscheidungsgewalt der Gefängnis- und Justizverwalter ein, verändern die Machtverhältnisse, in dem sie die Abgabe der Macht an die fordern, die bisher nur ihre Empfänger und Opfer waren.



Also: die Gefängnisdruckerei in die Hände der arbeitenden Gefangenen,
 es gibt nicht genügend Schliesser für die verschiedenen Programme, das Öffnen für die Hofgänge, das Begleiten zu Gruppenveranstaltungen und Freizeitbeschäftigungen,??? 
ja, dann machen es die Gefangenen eben selber, organisieren es gemeinsam, nehmen neue Aktivitäten auf, hinterfragen andere… organisieren Zeit und Dauer der Hofgänge, idealer Platz zum Besprechen weiterer Aktivitäten, weiteres Organisieren… 








immer noch besser, als dass die Gefangenen sich nun durch Parteien, humanistische Bürger*innen und vielleicht sogar durch die eigene Gewerkschaft auf eine freiwillige verstärkte weil noch hoffnungslosere Knechtschaft einlassen .. hoffnungsloser, weil dadurch das Knastsystem noch tiefer in das Bewusstsein des Einzelnen eindringt und auf ewig dort manifestiert….


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W.(für Abolisha)


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